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Krippenverein
Fellengatter
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50 Jahre Krippenbauverein Fellengatter
Vor mir liegt ein grauer, schmaler Ordner, ein Karton mit orangefarbenen Heften und eine mitgenommene Schuhschachtel mit alten Krippenfreundzeitschriften.
Das ist sie also: die Geschichte unseres Krippenbauvereines.
Bis jetzt hatte sich noch nie jemand die Mühe gemacht, die Vergangenheit des Vereines aufzuarbeiten. Nun bin ich schon gespannt, was ich alles entdecken werde!
Gleich beim ersten Blick in den Ordner fällt mir eine gelbe Flügelmappe mit einer schönen schnörkeligen Schrift auf: Krippenbauverein Fellengatter . Wie schön hat man damals noch mit der Hand geschrieben! Auch auf den folgenden Blättern erkennt man, daß Papier teuer und daher eng mit der Schreibmaschine beschrieben war. Die Schrift aus dem „Protokoll vom 11. Jänner 1959“ ist schon etwas verschwommen und verblasst. Doch beim Lesen entdecke ich, wie wichtig und wertvoll dieses Papier ist!
„Protokoll aufgenommen am 11. Jänner 1959 im Gasthaus „Maria Ebene“ in Fellengatter, Gemeinde Frastanz. Veranlassung war die von Leonhard Jutz, Fellengatter , einberufenen Gründungsversammlung der Krippenfreunde Österreichs, Ortsgruppe Fellengatter. (…)!“
Das ist die offizielle Geburtsstunde des Krippenbauvereines Fellengatter! Somit begehen wir 2009 unser 50jähriges Bestehen! Ein Grund mehr, sich in die Geschichte zu vertiefen!
Unter Anwesenheit des damaligen Landesobmannes Josef Irgang wurde Leonhard Jutz zum Obmann gewählt, sein Stellvertreter wurde Anton Bertsch jun (Vater des heutigen Obmannes Martin Bertsch), Schriftführer: Gottfried Matt, Kassier: der begnadete Krippenbauer Alfons Hirschauer, seine Vertretung Lydia Keckeis; Beirat: Anna Hartmann (eine Cousine von Leonhard Jutz und von den jungen Handwerkern liebevoll „Krippeleoma“ genannt).
Auch damals schon mußte alles seinen behördlichen Weg gehen, was Bescheide und Stempelmarken im Wert von 3 öS(!) auf den Statuten beweisen. Das hat die jungen Krippenbauer aber sicher nicht gekümmert. Sie haben im Herbst 1959 im Dachgeschoss von Leonhard Jutz´ Wohnhaus mit Begeisterung und einfachen Werkzeugen ihre Krippen gebaut!
Heute haben wir Kreis- und Bandsägen, Holzleim und Flackertrafo in den Krippenbaulokalen. Damals mussten die Kinder noch Hammer, Schnitzmesser und Laubsäge selber mitbringen. Statt des Holzleimes wurde Knochenleim verwendet, den man in Pulver- oder Kugerlform kaufte, erhitzte und schnell verwenden musste. Dieser Leim stank im warmen Zustand erbärmlich, wurde schnell, aber auch dauerhaft hart!
In den folgenden Jahren wurden mit großer Begeisterung und unter der fachkundigen Anleitung von Leonhad Jutz und Alfons Hirschauer Krippen gebaut und ausgestellt.
Leider gibt es nicht viele Unterlagen aus den ersten Jahrzehnten des Vereines. Gott sei Dank hat da Zita Bertsch-Wiederin über 34(!) Jahre die Kassabücher fein säuberlichst geführt, die mir nun einen Einblick in Neuanschaffungen, Ausflüge oder Mitgliederwesen geben. Heute geht alles per Computer, keine Handschrift mehr, kein Kassazettel, der mit Tixo eingeklebt ist, kaum ein Einzahlungsbeleg, meist nur noch internetbanking.
In den 60er Jahren war das Krippenbauen nicht nur Pflege religiösen Brauchtums, sondern auch sinnvolle Beschäftigung für die Jugend. In einem Antrag an die Gemeinde Frastanz 1963 bittet der Krippenverein um finanzielle Unterstützung, auch “um das Problem der untätigen Jugend“ beseitigen zu helfen. Auch damals war der soziale Aspekt so aktuell wie heute!
Seit 1962 war Oberlehrer Mattäus Wiederin-Wieser Mitglied beim Krippenbauverein Fellengatter. Von 1969 bis 1975 hat er in der Volksschule Frastanz/Fellengatter mit den Kindern Krippen gebaut, die in ihrer Schule ausgestellt wurden. 1975 baute er mit den Schülern die Kirchenkrippe Frastanz, die 2006 von Krippelern des Vereines restauriert wurde. Unser Krippenfreund Peter Stark hat damals das schöne Werk fachgerecht mit Schellack gefasst.
1979 übergibt Leonhard Jutz 67jährig nach 20 Jahren seine Obmanntätigkeit an Rudolf Rinderer. Ihn löst im Jahre 2000 Walter Geuze ab, der knapp 1,5 Jahre später stirbt. Daraufhin übernimmt sein Vertreter Martin Bertsch das Amt.
In den 80er Jahren steigt nicht nur die Anzahl der Mitglieder stetig (1988 mit 56 Personen der Höchststand), sondern auch die der Helfer, Kurslehrer und -leiter, die bereits die Krippenbauschule in Innsbruck absolviert haben. So begibt man sich auch auf die Suche nach größeren Räumlichkeiten für eine Krippenwerkstatt. 1986 ist dann endlich der Ausbau eines Krippenlokales in der Volksschule Fellengatter genehmigt, was mit Feuereifer umgesetzt wird. Tische werden vor den Fenstern straßenseitig aufgestellt, in den hinteren Kellerräumen finden die paar Maschinen und Kästen für Bastelmaterial Platz, Aufenthaltsraum gibt es keinen. Es ist klein, aber gemütlich. Im Laufe der Jahre dringt Feuchtigkeit in die hinteren Räume ein, was zu einem Problem für Material, die Krippen und vor allem für die Krippenbauer wird. Der Platz wird auch immer enger. Wieder geht man auf Lokalsuche. Im März 2004 wird wieder gewerkelt. Diesmal im Keller der Hauptschule Frastanz. Es werden Leitungen neu gelegt, Decke und Wände frisch gestrichen, Böden verlegt, ein eigener Aufenthaltsraum mit Küchenzeile und gemütlicher Sitzbank sowie ein separater heller Maschinenraum mit Materiallager eingerichtet , tolle Arbeitstische mit entsprechendem Werkzeug aufgestellt. Es wird ein Lokal, das einladend und inspirierend wirkt! Inzwischen haben wir noch eine Absauganlage und eine größere Sitzbank samt Tisch bekommen!
Die Mitglieder des Krippenbauvereines waren nicht nur als Handwerker engagiert, sondern zeigten auch sportliche Größe. Von 1985 bis 1993 nahmen sie oft erfolgreich an den Frastanzer Ortsvereine-Schirennen teil. Beim Schifahren und langlaufen kamen die jungen Leute mit ihren Freunden aus den anderen Vereinen der Gemeinde zusammen. So wurde der soziale Kontakt auf vielen Ebenen gepflegt.
Am 28.3.1993 wurde in Frastanz der Landesverbandstag abgehalten. Für den Krippenbauverein Fellengatter war es ein besonderer Augenblick, als ihr Gründungsmitglied Leonhard Jutz das goldene Ehrenzeichen des österreichischen Verbandes entgegennehmen konnte. Seine Cousine Anna Hartmann erhielt das silberne Ehrenzeichen für ihre langjährigen Bemühungen um die Weihnachtskrippe.
Bis 1999 finde ich keine Aufzeichnungen über bauliche Aktivitäten oder Ausstellungen. Erst 2000 startet der Verein wieder durch. Am 16. und 17. Dezember 2000 findet seit langem wieder eine Krippenausstellung im kleinen Pfarrsaal in Frastanz statt. Doch schon ein Jahr später zeigt sich, dass der Saal zu klein ist. Die Ausstellungen finden seit damals im grösseren Saal des „Haus der Begegnung“ statt. Seit 2006 werden die Besucher mit kulinarischen Köstlichkeiten verwöhnt, die unsere Krippenköche Wolfgang Lassnig, Robert Feurstein und Radi Mesaric mit viel Liebe und Sorgfalt zubereiten.
50 Jahre Zeitgeschichte spiegeln sich in der Aufmachung der Ausstellungen wider: die Technik hat mit Power Point Präsentation, Videobeiträgen und dimmbarer Beleuchtung Einzug genommen.
Was sich jedoch über so eine lange Zeit nie geändert hat, ist die Liebe zum Krippenbau und die Freude an der Gemeinschaft, selbst über Vereinsgrenzen hinaus.

Erste Hilfe Kurs
Die Ereignisse vom 14. März dieses Jahres sind inzwischen wohl jedermann bekannt: Beim Krippenlehrgang in Götzis erlitt unser Kollege Robert Feurstein einen schweren Herzinfarkt!
Anton Gmeinder (KV Sulzberg)und Dietmar Marte (KV Götzis) erkannten sofort den Ernst der Lage und leisteten nicht nur schnell, sondern auch richtig Erste Hilfe!
Sie hatten Nerven bewahrt und den Kollegen nicht einfach nur am Boden liegen lassen. Sie hatten den Kreislauf- und Atemstillstand erkannt und sofort mit der Reanimation begonnen! Selbst der Notarzt stellte fest, dass nicht seine Künste, sondern die beiden Ersthelfer das Leben von Robert gerettet haben.
Aber kann das nicht jedem von uns passieren? Wenn schon nicht im Krippenlokal, dann eben auf der Strasse, bei der Arbeit , in der Freizeit am Berg oder am Wasser.
Wüssten wir, wie wir dem Verunfallten helfen können? Wie wir Wunden versorgen, ihn lagern oder gar erkennen, ob es sich um einen Kreislauf- und/oder Atemstillstand handelt? Trauen wir uns die lebensrettende Herzmassage zu machen?
Diese Fragen stellten auch wir uns im Vorstand. Wir nehmen nicht an, dass so ein Vorfall so schnell wieder passiert, aber Unfälle kommen unvorhergesehen und überall vor.
Deshalb entschlossen wir uns so schnell wie möglich einen „Erste-Hilfe-Kurs“ zu organisieren.
Am Montag, den 8.Juni 2009 war´s dann endlich soweit! Acht Krippeler unseres Vereines (Martin Bertsch, Carmen und Wolfgang Lassnig, Sonja Kamper, Radi Mesaric, Hermann Morscher, Klaus Meyer und Christian Hummer), sowie 6 Gäste lauschten aufmerksam der Einführung des Referenten Jürgen Tschenett.
Die Erste Hilfe beginnt z.B. schon beim richtigen Absichern der Unfallstelle. Was mache ich dann mit einem Verunfallten? Notfallcheck! Doch auf was muss ich da achten?
Wie einfach diese wichtigen Massnahmen sind, merken wir gleich, als es an die Praxis geht. Bei der Überprüfung der Atmung unseres „Patienten“ gibt´s so manches Gelächter! Da kitzeln entweder die Haare des Helfers im Gesicht des Opfers oder das Opfer weigert sich (spasshalber) zu atmen. So viel Ernst am Thema ist, so viel Spass haben wir jedoch beim Üben! Das Beispiel Motorradunfall ist sehr dankbar: Unfallopfer Sonja liegt bäuchlings am Boden und schnauft und schwitzt unter ihrem Helm, weil sich die Ersthelfer nicht einig sind, wie sie den Kopf anfassen sollen. Kommentare kommen von überall her, auch vom „Patienten“.
Locker und lustig vergehen die ersten vier Stunden wie im Flug! Wir haben alle das Gefühl, Erste Hilfe zu leisten, ist wirklich nicht schwer!
Doch schon eine Woche später sieht´s ein bisschen anders aus. Da liegen doch ein paar Oberkörper umher, keine Arme, keine Beine, sieht wirklich nicht einladend aus.
Aber für die Puppen zur Reanimation braucht es auch nicht mehr. Es ist gar nicht so einfach Luft in einen Erwachsenenkörper zu bringen, wenn die Kopfhaltung nicht stimmt. Gut, dass man das an einer Puppe üben kann und nicht an einem Verletzten.

Kraft und Technik ist beim nächsten Fall gefragt: Bergung aus dem Auto mit Rautekgriff. Hört sich einfach an, ist aber ein bisschen heikel. Da muss man aufpassen, dass der Verunfallte beim Öffnen der Autotüre dir nicht gleich rausfällt und sich im Sicherheitsgurt verhängt. Da gibt jede Menge leichte Handgriffe, wie man die Person aus dem Auto holt.

Besonders viel Spass haben wir am dritten Kursabend. Thema: Verbände. Jeder bekommt ein Dreieckstuch zum Üben. Und bald laufen die ersten Patienten mit Hand- und Knieverbänden umher. Besonders beliebt ist der Kopfverband, der aus unserem Obmann Martin einen „Pirat“ macht, so schick hat man ihm die Tuchenden um die Schultern drapiert.

Das Wort ist kompliziert, seine Handhabung dagegen kinderleicht. Der Defibrillator, kurz Defi genannt, wird ausgepackt. Ein kleines Kästchen, das einen bei der Reanimation unterstützt und alles genau ansagt, sofern man weiss, wo der Knopf zum Einschalten ist. Es ist schon beruhigend, wenn man das Anlegen der Elektroden mal selber gemacht hat und erfährt, dass beim „Schuss“ der Patient nicht zentimeterhoch springt.
Inzwischen ist der 4. Kurstag da. Und Prüfungsabend! Was wird da wohl auf uns zukommen? Werden wir wohl keine wichtigen Dinge vergessen? Was ist, wenn wir die Prüfung nicht bestehen? Unser Referent Jürgen hat uns die ganze Zeit über auf dieses Ereignis hingetrimmt. Dabei hätten wir an seinem schelmischen Grinsen und dem Funkeln in den Augen erkennen können, dass es nicht so hart werden würde.
Aber es wird „hart“ genug. Zumindest für die „Unfallopfer“, die wir zu bergen haben.
Weil wir die ganze Kurszeit über so pünktlich erschienen waren, immer sehr tatkräftig am Üben waren und sowieso so nett waren….., bekommen wir eine „spezielle“ Prüfung. Mit echten „Opfern“! (wirklich toll geschminkt gewesen!)
Wir werden in Kleingruppen eingeteilt, die an drei Stationen verschiedene Unfallsituationen zu meistern haben. Da ist z.B. ein junges Mädchen, das kopfüber auf der Treppe liegt, Wunde am Kopf, verwirrt, aber bei Bewusstsein, daneben ihr „Freund“, der beatmet werden muß. Auf einer anderen Station wartet die zweite Patientin mit einer tiefen Schnittwunde am Unterarm und Kollapsgefahr. Zum Schluss kommen wir noch zu einem Motorradunfall mit einem LKW an einer wenig befahrenen Strasse.
Was ist als erstes zu tun? Wer ruft die Rettung? Wie muss ich den Verunfallten bergen oder lagern? Muss er verbunden werden? Bleibt er stabil oder fällt er in die Bewusstlosigkeit?
Es sind nicht viele Handgriffe zu tun, aber die wenigen können in der Realität Leben retten. Und es gibt ein sicheres Gefühl, in einer Notsituation nicht ganz unbeholfen zu sein.
Wir vom Krippenverein Fellengatter sind stolz, uns „Ersthelfer“ nennen zu dürfen und empfehlen jedem diesen Kurs zu machen.
Carmen Lassnig,
Schriftführerin